Sonntag, 17. November 2019

Woche 10 - 11 - 12 - Novemberwochen


Auch in Rom ist es Herbst geworden. Die Tage sind kälter und regnerischer. Trotzdem ist es im Schnitt noch 10 Grad wärmer als zu Hause.
In diesem Eintrag möchte ich von einigen Höhepunkten berichten, die ich neben dem den Tag strukturierenden Gebet und den Diensten an der Pforte, in der Spülküche und für den Prior in den letzten drei Wochen erlebt habe.
Am ersten November konnte ich an einer Vorstellung von Radio Vatikan teilnehmen. Mit einem Vortrag stellte die deutschsprachige Referentin Gudrun Sailer die Medienabteilung des Vatikans mit seinen ca. 600 Mitarbeitern vor, die in 40 Sprachen beispielsweise über die päpstlichen Ansprachen und Gottesdienste, die Reisen von Papst Franziskus oder Verlautbarungen des hl. Stuhls berichten.
Am 2. November wurde in der Kirche von Sant’Anselmo das Requiem von Mozart gespielt. Dieses Werk mit Chor und Orchester erlebte ich von einem "exklusiven" Platz im Chorgestühl.
Über die Kirchengemeinde hier auf dem Aventin erhielt ich kurzfristig Platzkarten für die Papstmesse am Weihetag der Lateranbasilika, am 9. November. Da unser Bus im Stau stecken blieb, waren bei unserer Ankunft nur noch Plätze im Seitenschiff frei. Doch kurz vor Beginn der Messe wurde der vordere Sektor geöffnet und so saßen einer meiner Mitvolontäre und ich in der vierten Reihe.
In diesen Tagen folgte ein Highlight dem anderen. Am Montag feierten wir in Sant’Anselmo den 119. Weihetag. Nach der Messe folgte ein "pranzo festivo" mit Antipasti, Tagliatelle al limone und Ravioli, Carne und zum Nachtisch Tiramisu-Torte und Sekt. So knallten die Korken im Refektorium an die Decke. Bilder zum Festtag findet ihr unter diesem Link.
Letzten Mittwoch buchte ich meine Sitzplatzreservationen, da ich kommende Woche einige Tage nach Hause fahren und meine Familie und Freunde in Tübingen besuchen werde. Aus umwelttechnischen Gründen sitze ich dafür insgesamt 22h im Zug.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Woche 7 - 8 - 9 - Klosteralltag

In meiner sechsten Woche in Rom begannen die Vorlesungen und für uns Volontäre nun der „Arbeitsalltag“. Am Montagvormittag reinigte ich im zweiten Stock die Fenster. Nachmittags machte ich eine Fahrradtour. Es ging Tiber abwärts nach St. Paul vor den Mauern, zur vierten päpstlichen Basilika. (Nun habe ich alle einmal besichtigt.) Da ich hier im Haus alles habe, was ich im Alltag benötige, ist es wichtig, dass ich immer wieder Zeiten finde, in denen ich nach draußen gehe. Als Assistent des Priors bin ich auch Postbote. Diese Woche verteilte ich z. B. die neuen Telefonlisten oder die Anmeldungen zu den „gruppi sociali“ (Sprachgruppen, die sich min. einmal im Monat treffen) in die Postfächer der etwas mehr als hundert Hausbewohner.
Große Freude bereitete mir am Mittwoch die Arbeit im Garten. Mit einem Rasenmähertraktor durfte ich den Fußballplatz auf der Westseite des Hauses auf Vordermann bringen. Zwar hat der Rasen immer noch ein paar staubige Löcher, aber die kleinen Trainingseinheiten könnten schon beginnen. Zur internen Semestereröffnung gab es am Mittwoch nach der Vesper ein Barbecue im Klostergarten. Am Sonntag war ich zur Heiligsprechung von John Henry Newman, der Schweizerin Marguerite Bays drei Ordensgründerinnen. Hier sah ich den Papst zum ersten Mal live, auch wenn er während der Messe weit weg war und mit seinem Papamobil schnell an uns „vorüberdüste“.

Seither sind schon wieder zwei Wochen vergangen. Zwei Wochen, in denen ich wieder Rasen mähte, Teller spülte, an der Portineria (Pforte) saß, drei Autos gewaschen habe, Büsche geschnitten, administrative Arbeiten für den Prior erledigte, etc. Ein Highlight war meine nächtliche Fahrradtour zum Petersdom. Ganz allein über die via della conciliazione zu fahren war ein besonderes Erlebnis. Ein weiteres Highlight war der deutschsprachige Abend hier in Sant’Anselmo. Bereits Nachmittags bereiteten wir für das Abendessen ein „typisch“ deutsches Essen zu. Nach der Eucharistiefeier in deutscher Sprache (mit Liedern aus dem Gotteslob) gab es eine Lachs-Kartoffelsuppe, Spätzle und Gulasch und zum Nachtisch Apfelstrudel mit Vanillesauce. Dazu gab es Bier aus Augsburg, sogar Hefe-Weizen. Morgen beginnt die neue Arbeitswoche. Ich bin gespannt was auf dem Programm steht.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Woche 5 und 6 - Sprachabschluss und Orientamento




In Woche 5 meiner Klosterzeit kam ich leider nicht dazu einen Bericht zu verfassen. Am Freitag beendete ich meinen Sprachkurs. Als Entschädigung ist dafür der Bericht der Woche 6 etwas länger ;)[1]

Die vergangene Woche diente für die neuen Residenti zur Orientierung. Die Führungen durch das Haus, die Kirche und das am Fuße des Aventins liegende Quartier Testaccio, ein Grußwort des Abtes, eine Einführung in die Hausregeln und die Eröffnung eines Kontos in der hauseigenen „Bank“, die sogenannte Cassa, sollten den Start hier in Rom erleichtern. Obwohl ich schon vier Wochen hier bin, erfuhr ich noch viele neue Dinge und kann nun sagen, dass ich hier zu Hause bin.

Mit dem Beginn der Orientierungswoche fing auch der reguläre Ablauf im Refektorium (Speisesaal) wieder an. Das Abendessen ist nun im Schweigen und mit Tischlesung. Da das Mittagessen auch „dem kulturellen Austausch“ dienen soll, ist hier das Schweigen aufgehoben. Auch die Komplet wird nun wieder in Gemeinschaft gebetet. Den Tag in der fast dunklen Kirche zu schließen ist für mich immer ein besonderer Moment.
Jeden Mittwoch gibt es nun nach dem Abendessen die sogenannte Rekreation. Die Hausbewohner „erholen“ sich bei Portwein und Dolci im salla di studenti. Vom dortigen Balkon hat man einen wunderbaren Blick über Rom.

Am Donnerstag ging es für die neuen Bewohner und Volontäre nach Subiaco. Der Name Subiaco bedeutet „unter dem See“ (sub-lago). In diesem Tal wurden in der Antike Staumauern für die Wasserversorgung Roms errichtet. In dieser gebirgsartigen Landschaft lebte der hl. Benedikt im fünften Jahrhundert drei Jahre in einer Grotte. Im zwölften Jahrhundert wurde dort an der Felswand ein Kloster errichtet. Die Kirche ist vollständig mit Fresken verziert. Biblische und zeitgenössische Darstellungen lassen sich ganz „comichaft“ lesen. Dass die Fresken auch mit ein wenig Humor gemalt wurden, lässt sich an zwei Darstellungen gut erkennen. Auf einer reitet der Tod mit einem langen Schwert auf zwei junge Adelige zu, die mit ihren Falken auf der Jagd sind. Nicht nur die Armen und Alten kann der Tod treffen. Eine Darstellung, die zeigt, wie präsent der Tod in der damaligen Zeit war. Eine andere Darstellung zeigt was geschieht, wenn ein Benediktiner vom Gebet fernbleibt. Nachdem der Teufel den Mönch aus der Kirche zieht, wird er von Benedikt auf einer Kathedra sitzend mit Stockschlägen bestraft. Doch auf der Darstellung trägt der Mönch keinen benediktinischen Habit ganz in schwarz, sondern die Ordenstracht der Zisterzienser. Nach einem hervorragenden italienischen Mittagessen besichtigten am Nachmittag die Abtei Santa Scolastica.

Wie jeden Freitag stand auch diese Woche wieder „pulizia chiesa“ auf dem Arbeitsplan. Die großen Türflügel aus Holz am Kirchenportal und am Eingang zum Ateneo erstrahlen nun staubfrei und in ganz neuem Glanz.Den Freitagabend nutzten wir Volontäre für ein Gelato. Auch in Rom wird es Herbst, aber Eis geht immer. Am Samstagnachmittag eröffneten wir die Fußballsaison 2019/20 in Sant’Anselmo mit einem gemütlichen Kick. Abends fand in der deutschen Gemeinde das alljährliche Oktoberfest statt. Nach der Vorabendmesse mit Chor und Orchester (Mozart) probierten wir uns durch verschiedenste deutsche Biersorten und auch Weißwürste und Kartoffelsalat durften nicht fehlen.

Der Sonntag gestaltete sich dementsprechend entspannt. Von 17 bis 19 Uhr hatte ich Pfortendienst und nach dem Abendessen spülte „nostra squadra“ - unser Team der Volontäre – ab.

[1] Für tagesaktuelle Infos einfach auf Instagram folgen: el_mandel10

Montag, 23. September 2019

Woche 4 - auf Hochglanz poliert





 
















Der Markt an der Porta Portese war deutlich größer als ich erwartet hatte. Mit dem Tipp von Padre Simon, die ersten 500 Meter seien nur für Touristen, versuchten wir unser Käuferglück. Es gibt tatsächlich alles. Espressokocher, Pfannen, billigen Schmuck, Kleidung (auch Second-Hand), was ich kürzlich auch im Bus erfahren habe. Auf einer wie immer holprigen Fahrt traf ich einen älteren Herrn, welcher ein Abishirt der Schule, an der ich vor zwei Jahren ein Praktikum absolviert hatte, trug. Auf Nachfrage, wieso er ein Tshirt aus Sindelfingen anhätte, meinte dieser, er wüsste gar nicht was auf dem Shirt stehe, er habe es aber an der Porta Portese gekauft. Welche Reise dieses Shirt hinter sich hat weiß ich nicht, aber solche Zufälle sind immer wieder faszinierend.
Am Mittwochabend fand in Santa Maria dell‘ Anima bei der deutschen Gemeinde ein Wilkommensgottesdienst statt. Anschließend ergab sich bei Pizza, Wein oder Bier die Gelegenheit zum Gespräch mit deutschsprachigen Studierenden, FSJler, Praktikanten und Schweizer Gardisten. Es tat gut nach drei Wochen wieder einen Gottesdienst in der eigenen Muttersprache zu feiern und mit vielen jungen Leuten aus dem Gotteslob[1] zu singen. Ich freue mich schon auf das „Oktoberfest“, welches dort in zwei Wochen stattfinden wird.
Am Freitagnachmittag stand wieder „pulizia chiesa“ auf dem Arbeitsplan. Zunächst wischten wir den Marmorboden und das Mosaik feucht. Das anschließende Polieren war eine monastische und kontemplative Aufgabe. Mit einem breiten Wischmopp ging es durch die gesamte Kirche. Hin und Her und Hin und Her - und hin und her, bis der Boden richtig glänzte. Abends veranstalteten wir Volontäre unseren ersten Kinoabend. Auf dem Programm stand „il marchese del Grillo“. Eine skurrile italienische Komödie, welche in Rom zur Zeit Napoleons spielt.
Samstagvormittag entschied ich mich zu einer spontanen Fahrradtour entlang des Tibers bis vor die Tore Roms. Nur hier lässt es ich ohne „Todesangst“ Fahrrad fahren. Ansonsten sind in Rom quasi keine Fahrradwege vorhanden und der römische Straßenverkehr... Samstags ist auch immer mein Wäschetag. Der Service der „Lavanderia“ hätte natürlich seinen Reiz, aber dort wartet man immer fünf Tage bis man seine Wäsche gebügelt und gefaltet zurückerhält. Nach vier Wochen im Kloster begann mit der ersten Vesper des Sonntags (am Samstagabend) der vier-Wochen-Zyklus der Psalmen von neuem. Einige Melodien der gregorianischen Gesänge sind sehr eingängig, für andere wird mehr Übung gebraucht. Das Lesen der Quadratnotation funktioniert aber schon ganz gut. 
Meinen ersten verregneten Tag - auch in Rom beginnt der Herbst, zwar nur langsam, aber dennoch - nutzte ich zur Besichtigung von zwei der insgesamt vier Patriarchalbasiliken Roms. So besuchte ich gestern die Lateranbasilika mit ihrer monumentalen Fassade, den imposanten Apostelstatuen und Fresken. Nach einem kurzen Abstecher zur scala sancta, einer Treppe mit 28 Stufen, welche Jesus bei seinem Prozess betreten haben soll und von der hl. Helena, der Mutter Konstatins, nach Rom gebracht worden sei ging es weiter zur Hauptkirche der über 40 Marienkirchen Roms - zur Basilika Santa Maria Maggiore. Da ich kurz vor einem Gottesdienst dort ankam, konnte ich die prunkvolle goldene Decke und die detailreichen Mosaike bei voller Beleuchtung bestaunen. Der Sonntagabend schloss mit dem Spüldienst. Heute beginnt meine letzte Woche in der Sprachschule.



[1] Kirchengesangbuch.